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Bruchlandung: Flyniki im Sinkflug

Die Konzernmutter Air Berlin muss ums Überleben sparen – und Niki Lauda Flüge streichen – obwohl er erst vor wenigen Monaten fünf zusätzliche Maschinen geordert hat.

Niki Lauda setzt auf die Wirkung von Mantras. Seit der Aufstockung der Air- Berlin-Anteile an seiner Airline Flyniki von 24 auf 49,9 Prozent im Frühjahr 2010 rezitiert der einstige Formel-I-Weltmeister in jedes Mikrofon: „Ich bin Mehrheitseigentümer und Chef meiner eigenen Airline.“ Den von den Medien abgeleiteten Anspruch, auch das Sagen im Unternehmen zu haben, nahm Lauda gerne mit. Wer unter Hinweis auf Meldungen von Air Berlin darauf verwies, dass die wichtigen Entscheidungen spätestens seit Juli des Vorjahres in der deutschen Bundeshauptstadt getroffen werden, machte sich in Laudas Welt zumindest der Majestätsbeleidigung schuldig.

Ende des Wachstums.

Die Air-Berlin- Gruppe ist seit Veröffentlichung der desaströsen Halbjahresergebnisse im Rückwärtsgang. Der Konzern hat im zweiten Quartal 32 Millionen Euro minus beim Betriebsergebnis und 44 Millionen Euro Nettoverlust ausgewiesen. 2011 wird das vierte Defizitjahr in Folge für Air Berlin werden. Dem Unternehmen droht mit Beginn des neuen Jahres das Geld auszugehen. Air-Berlin- Sanierer Hartmut Mehdorn weiß, „dass es sehr ernst ist“. Er plant, die Flotte von derzeit 170 Flugzeugen auf 152 im Sommer 2012 zu reduzieren. Dies entspricht einem Abbau von zehn Prozent. Insgesamt verspricht sich Mehdorn von seinem Sanierungsprogramm „Shape & Size“ eine Ergebnisverbesserung von insgesamt rund 200 Millionen Euro.

Sparen, wo es geht.

Das Sparen bei den Flugstrecken hat bereits begonnen – auch in Wien. Flyniki hat für den Wiener Winterflugplan im September einen Bedarf von 8550 Slots angemeldet. In der vorangegangenen Wintersaison waren es noch 8640 Flugbewegungen, die für Flyniki reserviert wurden. Der Rückgang von 1 Prozent wäre nicht als dramatisch zu interpretieren, wenn Flyniki nicht im ersten Halbjahr des Jahres mit Hilfe von fünf neuen Maschinen (gesamt 21) seine Kapazitäten um 30 Prozent gesteigert hätte. Die neuen Flugzeuge finden im kommenden Flug- und Streckenplan des Wiener Flughafens offensichtlich keine Berücksichtigung. Die Diskrepanz wird weder von Flyniki noch von Air Berlin gegenüber dem INDUSTRIEMAGAZIN kommentiert. Schlimmer noch: Auch die Deutschen haben mit 5060 Slots im kommenden Halbjahr ihren Bedarf an Start- und Landerechten in Wien um beachtliche zehn Prozent zurückgefahren.

 

Pensionsanspruch.

Für Niki Lauda sind die Entwicklungen unerfreulich, treffen ihn aber nicht substanziell. Der Ex-Weltmeister hat bei den Übernahmeverhandlungen höchstes Verhandlungsgeschick bewiesen, das nur mehr beim Verkauf der Kärntner Hypo an die Bayrische Landsbank getoppt wurde. Der Ex-Weltmeister erhielt im Februar 2010 für 24,9 Prozent der Aktien 21 Millionen Euro. Außerdem haben sich die Deutschen über einen Kredit eine Option auf die ganze Fluglinie gesichert: Die Air Berlin gewährte der Lauda-Privatstiftung im Zuge des Deals ein Darlehen über 40,5 Millionen Euro. Lauda hat jetzt die Wahl, bis Februar 2013 das Geld inklusive Zinsen zurückzuzahlen oder die verbleibenden 50,1 Prozent an Air Berlin zu übereignen – angesichts der kommenden Luftfahrtkrise ein Wonneszenario für Lauda. Am 22. Februar 2013 wird er 64 Jahre alt.

Josef Ruhaltinger (IM  10/2011)

 

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