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Burlei an der Wand des Wiener Boku-Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft.

Auslandsjagd: Im Dilemma aus Weidgerechtigkeit und Garantiejagd

Die Auslandsjagd bedeutet Abenteuer und hohen finanziellen Aufwand. Der weidgerechte Jäger kämpft dabei mit moralischen Doppelgleisigkeiten. Ein Auszug aus dem "JAGD GUIDE - ein Servicebuch für Jäger".

In Anbetracht der hohen Fixkosten werden von Auslandsjägern Garantien eingefordert, wie sie im Autokauf oder im Möbelhandel an der Tagesordnung stehen. Zu viele Veranstalter haben Hubertusjünger in die Ferne gelockt, ohne eine entsprechende Jagd bieten zu können. Tagelang auf Hochständen zu passen und kein Rotwild in Anblick zu bekommen, das ist auch zu Hause leicht zu haben. Andererseits: Jagd bedeutet Unwägbarkeit. Selbst auf der bestorganisierten Pirsch, auf der beständigsten Drückjagd oder am versprechendsten Ansitz gibt es keine Sicherheiten. Dieses Faktum verträgt sich nicht unbedingt mit den fixen Ausgaben für Anreise, Organisation, Pirschführung und Verpflegung, die rasch in die Tausende Euros gehen – und dabei wurde noch kein Abschuss getätigt. Kurz: Wer auf eine Bezahljagd geht, muss Risiko nehmen. Es ist ein Zeichen von Qualität, wie groß oder klein Veranstalter dieses Risiko gestalten können.

Daher braucht Auslandsjagd Vertrauen. Vertrauen, das der stressgeplagte Kunde, der sich für eine Woche oder vierzehn Tage von allen Lasten des beruflichen Einsatzes befreit, dem Vermittler und den Veranstaltern vor Ort entgegenbringen muss. Denn seien wir ehrlich: Wenn der Auslandsjäger im Revier ankommt, erwartet er, dass alles arrangiert ist: Unterkunft, Transport, behördliche Bewilligungen und letztendlich auch das Bestätigen des Wildes. Die Differenzierung zur individuellen Erwartungshaltung eines Badeaufenthaltes auf Gran Canaria ist manchmal minimal.

Der Antrieb, von Zeit zu Zeit abseits der gewohnten Reviere zu jagen, liegt im Wunsch, die Natur einmal anders zu erleben – und zwar mit den Augen des Jägers. Es macht einen Unterschied, ob die Hohen Tauern als wandernder Tourist oder pirschend als Jäger mit der Büchse am Buckel zu durchsteigen. Natur wird für einen Jäger anders greifbar, wenn er den Tagesanbruch in der Hirschbrunft auf einem Donauarm im südungarischen Augebiet erlebt, gemeinsam mit dem Pirschführer in einem Holzkahn treibend, um irgendwo anzulanden und eine vielsagende Stimme anzugehen. Nirgendwo sonst kann ein Reisender so viel von einem Land und seinen Bewohnern in so kurzer Zeit in sich aufnehmen wie auf einer Jagdreise. Horizonte werden nach hinten verschobene. Das ist klischeehaft. Und dennoch stimmen diese Bilder:

Inzwischen ist Auslandsjagd zu einem weitverzweigten Geschäftsfeld geworden. In einer härter werdenden Branche, in der die Anzahl der Vermittler die Anzahl der Jagdgelegenheiten bald zu übertreffen scheint, werden die Usancen ungenierter – zum Nachteil des Kunden. Wie arbeitsteilig der internationale Agenturbetrieb mittlerweile funktioniert, musste ein weltenbummelnder Jagdkamerad zur Kenntnis nehmen, der von sich behauptet hatte, auf seinen Reisen bereits alles erlebt zu haben. Eine Elchjagd auf der sibirischen Halbinsel Kamtschatka sollte seine Weltsicht abrunden. Er bediente sich eines renommierten Vermittlers, der ihm schon viele erfolgreiche Riesen arrangiert hatte. Nach langem Flug über Moskau in die Regional-Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskij ging es per Schiff in ein Basiscamp, wo ein Hubschrauber den Transport in die Reviere bewerkstelligen sollte. Der Österreicher teilte sich die Aufmerksamkeit der zehnköpfigen Belegschaft mit einem deutschen und einem amerikanischen Weidkameraden. Der Helikopter stand vor Ort auch zur Verfügung. Aber der Pilot nicht. Er hatte keine Anzahlung für den Treibstoff erhalten. Das Geld, ursprünglich im Preispaket inkludiert, war irgendwo am Weg nach Kamtschatka versickert. An den Gestaden des Ochotskischen Meeres, mehrere Tagesmärsche vom nächsten Telefonanschluss entfernt, bedeutet nur Bares Wahres. Jeder der drei Gastjäger musste 1.500 Dollar aus seiner Reisekasse einschießen, wenn die Jagd eine Fortsetzung finden sollte. Damit aber nicht genug. Nachdem der Pilot seine Arbeit wieder aufnehmen wollte, tauchten russische Park-Ranger im Lager auf, um die Abschusslizenzen zu kontrollieren. Es stellte sich heraus, dass diese nicht vorhanden waren. Der verantwortliche Dolmetscher hatte den Geldbetrag für sich einbehalten, wie er erklärte. Er wäre vom zwischengeschalteten russischen Vermittler nicht wie vereinbart bezahlt worden. Im Zuge der hitzigen Diskussion zeigte sich, dass zwischen dem eigentlichen Veranstalter vor Ort und der Jagdagentur in Österreich zwei weitere russische Vermittlungsinstanzen in Moskau und St. Petersburg zwischengeschaltet waren. Fazit: Die drei West-Jäger fanden sich am Ende der Welt auf einer Jagdreise, ohne dazu die Erlaubnis zu haben.

Die Anzahl der Alternativen erwies sich als überschaubar. Pro Jäger wechselten wieder 1000 Dollar zu den beiden Aufsichtsjägern, die sich die restlichen neun Jagdtage nicht mehr blicken ließen. Der ursprüngliche Lizenzpreis lag bei 600 Dollar. Nach dem anfänglichen Fiasko war die Stimmung für den folgenden Aufenthalt verdorben. Die Jagd endet mit dem Abschuss eines Kamtschatka-Elches durch den deutschen Jagdgefährten. Amerikaner und Österreicher gingen leer aus, wobei der Landsmann von einer verpassten Chance auf einen starken Elch zu berichten wusste. Sonst wären ausschließlich jugendliche Bullen von „baltischer Stärke“ vorgekommen, wie er es nannte.

Das Nachspiel zu Hause war lange und heftig. Von den insgesamt 13.000 Euro, die der Abstecher in den fernen Osten Euro gekostet hatte, wurden vom Jagdbüro 3.500 Euro zurückerstattet – davon vereinbarungsgemäß 2200 Euro für den nicht erfolgten Elchabschuß. Die teilweise Rückzahlung der doppelt bezahlten Kosten für Kerosin und Lizenz erfolgte unter ausdrücklichen Hinweis auf Kulanz. Auf eine jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung nach den Haftungsregeln eines Reisebüros wollte der österreichische Nimrod verzichten.

Der Vorfall erregte in der Branche einiges Aufsehen. Die Konsequenz für Kunden und Vermittler – die von ihren russischen Partnern keinen Cent sahen: Wer mitten in der Pampa sitzt, ist leicht erpressbar – womit wir wieder beim Vertrauen wären. Und seriöse Reisevermittler veranstalten in bestimmte Destinationen nur mehr begleitete Jagdreisen. Wenn etwas schief geht, wolle man dies zumindest unmittelbar miterleben.

Exportschlager Weidgerechtigkeit.

Wenn der Jäger zu Hause schon ein Imagedefizit hat, dann kämpft er auf Auslandsjagden geradezu mit sozialer Ächtung. Auslandsjäger werden vom Großteil der Bevölkerung für vagabundierende Touristen mit Tötungsabsicht bewertet. Der Hintergrund ist klar. Wem nicht verständlich gemacht wird, was Jäger zu Hause tun, der kann schon gar nicht nachvollziehen, was diese in die Ferne zieht. Untersuchungen über Motivation und Umfang der Auslandsjägerei sind bislang über Einzelbetrachtungen nicht hinausgekommen. Lediglich der Deutsche Jagdschutz-Verband, die Dachvereinigung der 16 deutschen Landesjagdverbände, hat 1999 versucht, eine aussagekräftige Umfrage zum Thema Auslandsjagd zu inszenieren. Die dabei getroffenen Aussagen haben dabei weitgehend auch für österreichische Verhältnisse Geltung.

Bemerkenswert ist die Kooperation des DJV mit TRAFFIC, einem Programm, das von der Weltnaturschutzunion (IUCN), jener Organisation, die für die internationale Anerkennung von Nationalparks zuständig ist, und dem World Wildlife Fund in die Welt gesetzt wurde. Ziel von TRAFFIC ist es, die „Nutzung und den Handel mit Tier- und Pflanzenarten und deren Produkten nur in nachhaltiger Weise“ zu unterstützen und in „Einklang mit nationalen und internationalen Schutzbestimmungen“ zu stellen.

Die Kooperation über die klischeebesetzten Grenzen von Naturschützern und Jagdverbänden hinweg zeitigte großen Erfolg: Über 5.200 deutsche Jäger nahmen an der Umfrage Teil. Und das streng wissenschaftlich gehaltene Ergebnis der Studie sorgte auf Tierschutzseite für eine eindeutige Versachlichung der Diskussion – wenn auch die letzten Auswirkungen dieser Zusammenarbeit bereits wieder verblasst scheinen. Auf alle Fälle zeigt sich, dass eine gemeinsame Vorgangsweise von naturgetriebenen Interessensgruppen wie Natur- und Umweltschutzverbänden sowie den heimischen Jagdorganisationen ein adäquates Mittel sind, den ramponierten Stellenwert der Jägerschaft in der Gesellschaft zu verbessern.

Wer jagt im Ausland?

Die Auslandsjäger sind laut Untersuchung im Durchschnitt älter als die Nicht-Auslandsjäger und sie sind sehr viel häufiger selbständig/freiberuflich tätig. Sie sind signifikant länger Jagdscheininhaber als die Nicht-Auslandsjäger. Unter ihnen gibt es mehr Revierinhaber und sie stammen häufiger aus Familien, in denen es weitere Jäger gibt. Ins Ausland fahren also offenbar viele Jäger, für die Jagd ein wichtiger Teil ihres Lebens ist, nicht nur jene, die zuhause keine Jagdmöglichkeit haben. Laut Untersuchung unternehmen 38% der Auslandsjäger regelmäßig, das heißt ein- oder mehrmals jährlich, Jagdreisen, während die Mehrheit nur einmal oder in mehrjährigem Abstand im Ausland jagt. Im Durchschnitt hat jeder befragte Auslandsjäger 12 Jagdreisen unternommen, der "Rekord" liegt bei 400 Auslandsjagden. Die Hälfte aller Jagdreisen dauert eine Woche, ein Viertel zwei Wochen. Kürzer als eine Woche sind knapp 20% und nur rund 7% der Reisen sind länger als zwei Wochen.

Interessant die Angaben über die Kosten der Auslandsjagd: Die durchschnittlichen Ausgaben pro Jagdreise (incl. aller Nebenkosten) beziffern 32% der befragten Auslandsjäger auf unter 1.300 Euro, 31% auf 1.300 bis 2000 DM, 22% auf 2000 bis 3.000 DM und 15% über 3.000 Euro. Neben dem Erhebungszeitpunkt – die Preise sind auf dem Niveau der späten neunziger Jahre - lassen sich aus den vergleichsweise niedrigen Angaben zwei Schlüsse ziehen: Die Mehrzahl der Auslandsjäger nutzt die Teilnahme an niedrigpreisigen Aktivitäten wie Saudrückjagd oder den Abschuss von Rehböcken im Mai. Die Kracher wie die Jagd in Kanada und Alaska oder eine Safari in Ostafrika bilden die große Ausnahme. Der nächste Schluss unterstreicht eine gewisse Hemmung, Jagd mit Bezahlung in Verbindung zu bringen. Man kann am Stammtisch jedes Detail einer Jagdreise des Kollegen in Erfahrung bringen. Nur über den Preis wird nicht gesprochen – oder etwas tiefer angesetzt.

Dabei bleiben zentraleuropäische Auslandsjäger mehrheitlich in Europa. Für 70% von ihnen waren osteuropäische, für 52% west-, süd- oder mitteleuropäische Länder schon ein- oder mehrmalige Reiseziele. An dritter Stelle folgen afrikanische, dann nordeuropäische und nordamerikanische Destinationen. Auf die Frage nach dem Ziel der letzten Jagdreise werden insgesamt 65 Staaten genannt. Dabei sind Polen (23 %) und Ungarn (14 %) der Deutschen liebste Reiseziele. Österreich (11,6%) rangiert in dieser Umfrage weit vor Tschechien (4,9%). Namibia (9,0%), Großbritannien (5,8%), Kanada (5,0%), Schweden (4,6%), Russland (3,0%) und Südafrika (1,8%) belegen die Plätze.

Die bejagten Wildarten sind überwiegend jene, die aus der heimischen Jagd bekannt sind: Hirsch- und Wildschwein, gefolgt von Nieder-/Wasserwild. Die Antworthäufigkeiten auf die Frage, welche Artengruppen die Jäger in Zukunft bejagen möchten, zeigen im Wesentlichen das gleiche Präferenzmuster. Nur bei zwei Artengruppen scheint der Wunsch größer als die Möglichkeiten zu sein: bei Wildrindern und bei Elefanten.

Reisebüro hat vermittelt.

Nur ein Bruchteil von 2% der Auslandsjäger verfügt über ein eigenes Revier im Ausland, praktisch alle Jagdreisen werden privat oder kommerziell vermittelt. Bei 53% der befragten Auslandsjäger kam ihre letzte Jagdreise über Einladungen/Privatkontakte zustande, bei deutschen Vermittlern buchten 25%, je 10% bei ausländischen Vermittlern bzw. direkt beim Veranstalter. Hier ist davon auszugehen, dass der Fortschritt im Internethandel und die weitere EU-Verknüpfung während der vergangenen neun Jahre eine stärkere Internationalisierung im Buchungsverhalten gebracht haben. Das Verhältnis von Privatkontakt und kommerzieller Vermittlung unterscheidet sich stark je nach Zielgebiet. Skandinavien und Grönland werden zu zwei Drittel über Privatkontakte bereist. Gleiches gilt für West- und Mitteleuropa, wo die privaten Verbindungen mit 78 Prozent überwiegen. In den restlichen Teilen der Welt dreht sich das Muster: Reise nach Nordamerika, Afrika, Osteuropa oder GUS werden zu mindestens zwei Drittel mit Hilfe von Agenturen angetreten.

Die Sache mit der Weidgerechtigkeit.

Unausweichlich bleibt die Frage nach den vorgefundenen Jagdtaktiken. 12% der Auslandsjäger beklagen sich über unwaidmännische Praktiken. Als inakzeptabel werden z.B. genannt: die Jagd mit Scheinwerfer, die Autopirsch, Hubschrauberjagden, keine Nachsuchen, keine brauchbaren Hunde verfügbar, nachlässige Wildpretbehandlung, Jagd auf ausgesetztes Wild, Gatterabschüsse, "Zeitschinden" und "Geldschneiderei" der Führer, alkoholisierte Führer. Manche Jäger waren sogar unsicher, ob ihre Jagd legal oder illegal war. Auch hier finden sich Zeichen für den Zweispalt des Auslandsjägers: Er möchte in der Ferne so jagen wie zu Hause und sich gleichzeitig den Gegebenheiten anpassen. Und das alles in der vorgegeben Jagdzeit. .

Kurz-Zeit-Weltrekord aus Österreich

Burlei sorgte 2005 für Jagdgeschichte. Die Historie des berühmten Rothirsches aus einem Innviertler Zuchtgatter wurde zum Fanal der Auslandsjagd. An ihm wurde sichtbar, was in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet der Jagdvermittlung und auch von Seiten der Auslandsjäger schief gelaufen ist. Die Fakten: Am 1. September 2005 erlegte ein deutscher Jäger in einem bulgarischen Revier bei Etropole einen 42 Enger, mit über 16 kg Geweih- und 300 kg Gesamtgewicht. Einziger Wermutstropfen: Mit acht Jahren war der Kapitalhirsch weit von seinem Zielalter entfernt. Dies tat dem Jubel keinen Abbruch. Das CIC kürte den Hirschen zum offiziellen Weltrekord, bis in einem ungarischen Jagdforum ein verwackeltes Handy-Foto zum Beweis wurde, dass der Hirsch im Sommer noch in einem Gatter bei Braunau stand. Es zeigte sich, dass der Weltrekordhirsch auf den Namen „Burlei“ gehört hatte und vor seiner Deportation als handzahm galt. Von da an nahm die Geschichte eine spezielle Eigendynamik auf: Der Weltrekord wurde aberkannt, die Polizei nahm intensive Ermittlungen in Oberösterreich auf und der Erleger stiftete schlussendlich die unlieb gewordene Trophäe dem Wiener Boku-Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (wo sie gegen Anmeldung bis auf weiteres besichtigt werden kann).

Der finanzstarke deutsche Baron, in seinem Umfeld als überkorrekter Jäger von hohem Eigenanspruch bekannt, wurde zum Betrugsopfer einer Branche, die in den vergangenen acht Jahren zunehmend Gatterhirschen aus Österreich im großen Stil in Ostländer verkauft. Von dort treten sie nach kürzester Zeit wieder die Heimreise an – diesmal am Brett als vermeintliche Trophäe eines vermeintlichen Jagdausfluges eines getäuschten österreichischen oder deutschen Jägers.

Was Sorge macht, ist die schiere Zahl an Tieren, die munter zwischen Österreich und den Ostländern verschoben wird. Die Recherchen der oberösterreichischen Polizei im Zusammenhang mit der Burlei-Affäre erlauben einen Einblick in die Quantitäten, die sich in aller Stille in Österreich aufgebaut haben. Die Untersuchungen der Behörden ergaben laut Polizeibericht, dass ein den Fall verwickelter Wildhändler allein zwischen 2005 und 2006 1150 Stück Lebendwild in Drittländer lieferte, davon „90 Prozent nach Bulgarien“. 240 Stück waren Rotwild, der Rest Dam-, Muffel-, und Schwarzwild, die alle in aufwändigen Prozeduren und zu hohen Kosten in den Osten gebracht wurden. Insgesamt schätzt die Polizei die Zahl (inklusive der inoffiziellen Zäunungen) der Wildgatter in Österreich auf 4000 !! Wie lukrativ der Verkauf gut veranlagter Gatterhirschen nach Bulgarien ist, zeigt der Fall Burlei: Der Braunauer Gatterbesitzer verkaufte den Kapitalhirschen an den ersten Zwischenhändler um 20.000 Euro mit der Auflage, ihn ausschließlich zur Zucht einzusetzen. Dieser verkaufte ihn um 25.000 Euro an den zweiten Zwischenhändler, im Wissen, „dass der Rothirsch zum Abschuss bestimmt war." Laut Recherchen der Jagdzeitschrift „St. Hubertus“ veräußerte der Wildgroßhändler den Hirschen um 35.000 Euro an eine bulgarische Firma. Die Abschussgebühr des betrogenen Erlegers betrug letztendlich 65.000 Euro.

Kurz: Burlei wurde am 4. August 2005 aus seinem Braunauer Gatter abgeholt und bezahlt. Am 1. September 2005 wurde Burlei in Bulgarien erschossen. In diesen vier Wochen hat sich sein Wert mehr als verdreifacht. Genug Anreiz, eine ganze Branche im Graubereich des Gesetzes und im Schwarzbereich des ehrlichen Jagdverständnisses entstehen zu lassen.

Verunsicherung.

Wie viele der Auslandserlebnisse haben ihren Ursprung in heimischen Gattern, ohne dies zu merken? Ist es Zufall, das so manche erfolglose Schwarzwildjagd im letzten Trieb durch massiert auftretende Rotten gerettet wird? Oder werden nur die goldenen Reserven mobilisiert, die in uneinsehbaren Wildschweingattern ihrer Bestimmung harren? Andreas Rockstroh, Chefredakteur von „Jagen weltweit“ beruhigt. Er meint, dass „sich derartige Manipulationen nur im großen Geschäft lohnen. Ein Hirsch um 5000 Euro ist den ganzen Aufwand nicht wert.“ Trotzdem: Angesichts der Exportzahlen und der involvierten Geldbeträge bleibt ein schaler Geschmack. Um auf Nummer sicher zu gehen, rät Andreas Rockstroh jedem Jäger mit Selbstanspruch, in seinem Vermittlungsvertrag auf einer Klausel zu bestehen, in der zugesichert wird, dass es sich beim bejagten Wild um frei aufgewachsene Stücke („autochthones Wild“) handelt. Sicher ist sicher. Jagdagenturen werden diesen Druck an ihre Veranstalter weitergeben. Jagd kennt keine Garantien. Und der Jäger muss daher bereit sein, mit einer sauberen Jagd auch ein gewisses Risiko zu nehmen.

Lästige Details.

Eine Auslandsjagd verlangt nach Planung und Vorbereitung. Wer mit Steinböcken in kasachischen Bergen um die Wette klettert oder den schottischen Hirschen kilometerweit in Regen und Morast nachpirscht, tut gut daran, seinen Körper auf die kommenden Strapazen vorzubereiten. Über dieses Faktum ist sich jeder reisende Nimrod im Klaren, egal, ob er sich an die Vorbereitungen hält oder nicht. Genauso akribisch wird im Vorfeld über Ausrüstungsdetails nachgedacht und Organisatorisches besprochen, um sich in der Ferne keine Blöße zu geben.

Zwei Fragen werden aber meist in der Vorbereitungsphase nicht beantwortet: Darf ich die erbeutete Trophäe nach Hause einführen? Und wenn ja: Wie bringe ich sie überhaupt nach Hause? Der Trophäenvorbereitung und deren Transport sind ein selten angedachtes und noch seltener budgetiertes Problem.

Für viele Jäger beginnen die Probleme nach der Erlegung. In Ungarn, Polen oder Tschechien ist das Problem noch klein: Wer dort jagt, ist es gewohnt, seine Trophäe sauber gekappt und präpariert am Ende der Jagd ausgehändigt zu erhalten. In England, Schottland und Schweden stehen die Dinge ganz anders: Dort hat die mittel- und osteuropäische Vorliebe für mächtige Knochen keine Tradition. Wer dort in einem Revier zur Jagd geht, in dem noch wenig Erfahrung mit zentraleuropäischen Weidkameraden gesammelt wurde, tut gut daran, die Trophäen selbst zu kappen und zu präparieren – oder zumindest die Arbeiten zu beobachten. Sonst kann man überrascht sein, wie klein ein kurz gekapptes Gehörn werden kann. Hat der durchschnittliche österreichische Jäger noch Erfahrung mit dem Präparieren von Bock- und Hirschgeweih, wird es mit der Aufbereitung von Schwarzwildwaffen schon spannender. Hier endet bereits so manches Jägerlatein. Es macht Sinn, die Spielregeln der Waffen-Präparation bei Schwarzwild vor Reiseantritt außer Streit zu stellen – vor allem bei Jagdaufenthalten in islamischen Kulturen.

Wenn das Wild aus der Decke geschlagen werden soll oder für eine Vorschlagpräparation vorbereitet wird, darf der Jagdbegleiter nicht die letzte Hoffnung sein. Dabei kann einiges daneben gehen. In den Verträgen mit den Agenturen stehen die entsprechenden Hinweise in den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“. Meist wird aber auch konkret noch einmal mündlich darauf hingewiesen, dass der Jagdgast für die Überwachung der feldmäßigen Trophäenrohpräparation selbst verantwortlich ist. Sofern nötig, sollte er dabei auch mithelfen. Nachträgliche Reklamationen, dass das Cape zu kurz abgenommen, oder der Schädel zu lange gekocht wurde usw., führen ausnahmslos zum Salzamt. Daher macht es Sinn, vor Reiseantritt ein längeres Schwätzchen mit dem Präparator seines Vertrauens zu führen.

Trophäenrohpräparation

Wie schon der Name sagt, handelt es sich um eine Rohpräparation - dieses umfasst Abkochen und grobes Reinigen der Trophäe bzw. Salzen und Rohkonservieren der Decke, damit sie nicht verderben kann. Bleichen und desinfizieren bzw. Feinbearbeitung der Decke sind nicht inkludiert. Dies ist auf der Jagd selbst auf Grund des Zeitdrucks und der äußeren Umstände nur selten möglich. 
Achtung: Trophäen dürfen nur in mit Wasserstoffperoxid (H2O2) desinfiziertem und gebleichtem Zustand in EU-Länder eingeführt werden. Daher müssen die Geweihe, Schnecken oder Decken nach der Jagd bei einem Präparator nachbehandelt werden. Bei einer Jagd in Nordamerika und Afrika ist das kein Problem, da ja die Trophäen im Normalfall ohnehin nicht gleich mitgenommen werden können. Bei einer Jagd in Westeuropa bzw. in Ungarn, Polen oder Serbien werden die Trophäen nach der Jagd im Revier gleich gebleicht und können auch sofort mitgenommen werden.
In Russland können die Trophäen in den Jagdgebieten nicht gebleicht werden. Es bieten sich daher zwei Möglichkeiten - entweder die Trophäen in Moskau desinfizieren und bleichen zu lassen (allerdings zumeist mit einer zusätzlichen Nächtigung in Moskau verbunden) oder dieses gleich unmittelbar nach der Jagd im Gebiet zu machen. In den Arrangements ist meist nur die feldmäßige Rohpräparation der Trophäen enthalten, nicht aber Bleichen und Desinfizieren. Diese Kosten sind vom Jagdgast zu tragen.

Besonders zu beachten sind die veterinärrechtlichen Bestimmungen. Wie erwähnt, dürfen die Schädel können nur dann in die EU eingeführt werden, wenn diese mit Wasserstoffperoxid desinfiziert und gebleicht wurden. Dies muss am Veterinärzeugnis gesondert vermerkt werden. Dieser Punkt wird an den Grenzen sehr ernst genommen Trophäen, die nicht verordnungsgemäß behandelt wurden, bzw. wo dies nicht auf dem Veterinärzeugnis vermerkt ist, dürfen nicht eingeführt werden. Damit ist an der Grenze Endstation: Entweder der Erleger kehrt um und besorgt sich die fehlende tierärztliche Bestätigung oder- falls es sich um eine Versendung durch eine Spedition handelt – werden die Schädel und Decken auf Kosten des Erlegers in das betreffende Ursprungsland zurückgesendet. Jeder Schädel muss separat in einem luftdicht geschlossenen, durchsichtigen Plastiksack verpackt sein. Decken können in rohem, jedoch vollkommen durchgesalzenem und getrocknetem oder gegerbten Zustand eingeführt werden. Auch dafür benötigen wird das entsprechende Veterinärzeugnis benötigt.

Schutz der Arten

CITES - auch als Washingtoner Artenschutzübereinkomen bekannt - schützt bedrohte Arten wie Elefanten, Papageien, Krokodile, Korallen, Kakteen, Tropenbäume und 30.000 weitere Arten durch Handelskontrollen und –beschränkungen vor Übernutzung und zu starkem internationalen Handel. CITES beinhaltet drei Kontrollkategorien, sogenannte „Anhänge“, die je nach Grad der Bedrohung, den internationalen Handel von mehr als 30.000 wild lebenden Arten regulieren (ca. 5.000 Tiere und über 25.000 Pflanzen). 
Anhang I: In Anhang I sind Arten gelistet, die akut vom Aussterben bedroht sind. Kommerzieller internationaler Handel mit wild lebenden Exemplaren dieser Arten ist verboten. Zu den wenigen genehmigungspflichtigen Ausnahmen gehören z.B. der Handel zum Zweck wissenschaftlicher Untersuchungen sowie Reisende mit Arten und Erzeugnissen aus Privatbesitz. Über 800 Arten sind hier geschützt.
Anhang II: In Anhang II sind Arten gelistet, die nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht sind, aber bedroht sein könnten, sollte der Handel nicht strikt reguliert werden. Anhang II schließt außerdem Arten ein, die wegen ihres ähnlichen Aussehens leicht mit gefährdeten Arten verwechselt werden können. Fast 29.000 Arten sind hier geschützt.
Anhang III: In Anhang III sind Arten gelistet, deren internationaler Handel auf Antrag eines Verbreitungsstaates der betreffenden Art reguliert ist und der nur die Bestände in dem betreffenden Land umfasst. Über 200 Arten sind hier geschützt.

Wildarten, die im Washingtoner Artenschutzabkommen unter Liste 1 angeführt sind - z. B. Leopard, Elefant, Krokodil, aber auch der Schwarzbär, um nur einige zu nennen, können nur unter Vorweis eines gültigen CITES eingeführt werden. Diese CITES werden vom Outfitter bzw. vom Jagdreiseinstitut besorgt. Wildarten, welche im WA-Abkommen unter Liste 2 angeführt sind, können auch mit einer Einfuhrgenehmigung (muss vor jedem Jagdreiseantritt ausgestellt werden) importiert werden. Eines ist sicher – wer ohne Papiere mit einer Trophäe eines durch das Artenschutzabkommen geschützten Tieres die Ausreise aus dem Herkunftsland schafft und an den Grenzen der EU anklopft und dort erwischt wird, hat neben dem Verlust der Trophäe empfindliche Strafen zu gewärtigen – einmal abgesehen von der ethischen Komponente, ein geschütztes Tier erlegt zu haben. Zwar sind Outfitter und Jagdagenturen bei der Besorgung der CITES-Dokumente die richtigen Ansprechpartner – letztverantwortlich bleibt der Jäger. Selbst wenn der reisende Weidmann im guten Glauben mit dem Präparat des Nilkrokodils am Flughafen Schwechat steht- der Arm des Gesetzes wird sich an ihn halten. Der Strafrahmen bewegt sich zwischen 726 € und 36.336 €, Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren sind möglich. Daher sei es angeraten, bei Reisen in weniger vertraute Jagdländer einen Blick auf die Homepage http://www.cites.at/ des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft zu machen.

Trophäenversand: Dieses Thema wird bei der Planung von Jagdreisen gern außer Acht gelassen. Trophäen bei einer Jagd in Afrika, Australien, Nord- u. Südamerika können nicht gleich nach der Jagd mitgenommen werden. Diese werden dann nach der Jagd zusammen mit den nötigen Dokumenten innerhalb von drei bis sechs Monaten nachgesandt. Die Kosten für die Desinfektion, Verpackung und Versand gehen immer zu Lasten des Jagdgastes. Sofern CITES nötig sind, werden diese vom Outfitter bzw. vom Jagdreiseinstitut besorgt.
Bei einer Jagd in der GUS empfiehlt es sich, die Trophäen gleich mitzunehmen. Sofern CITES benötigt werden, werden diese noch vor der Abreise ausgestellt. Unter Umständen kann es daher nötig sein, dass eine zusätzliche Nächtigung in Moskau eingeplant werden muss - dann können auch die Trophäen desinfiziert und gebleicht werden. Das ist immerhin noch besser, als nachträgliche Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen, da diese bei Nichteinhaltung der Verordnungen ja bereits vorprogrammiert sind. Die Kosten und Zeitaufwand sind nicht unerheblich: Für den Trophäenversand eines Plainsgame-Jagd mit fünf Trophäen aus Namibia sind rund 1000 Euro einzuplanen. Wer den Kapitalelch aus Alaska bei sich zu Hause hängen sehen will, muss dafür zwischen 1200 bis 1500 Dollar kalkulieren – bei einem schweren Vorschlagpräparat ist das Doppelte zu veranschlagen.

Die Frage, ob man im Erlegerland oder zu Hause präparieren lässt, kennt keine eindeutige Antwort. Meist sind die Präparationen im Ausland billiger, dafür steigen die Logistikkosten. Gleichzeitig steigt das Risiko, schlecht präparierte, falsche oder keine Präparate geliefert zu bekommen. Geschichten aus Namibia, in denen nach drei Jahren die falschen Trophäen angekommen sind, machen immer wieder die Runde. Andererseits finden sich in Windhuk Spezialisten, die jeden Vergleich mit heimischen Dienstleistern aushalten und sich auf das Wild des Landes verstehen. Wie gesagt: Hierzu finden sich keine einhelligen Empfehlungen.

Wer auf sein Geld achten muss, kann auch die getrockneten Capes zuhause aufbewahren und vorerst nur die gebleichten Schädel als Trophäe an die Wand hängen. Später können dann nach und nach die Schädel mit den Capes zum Präparator zwecks Anfertigung einer Trägermontage gebracht werden. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist, dass man sich nicht gleich festlegen muss, was denn mit der Trophäe geschehen soll. Die Kosten für das Abziehen des Capes und die Rohpräparation sind nicht sehr hoch. Wenn man sich später dann doch entscheidet, nur den Schädel als Trophäe zu behalten, kann man das getrocknete Cape (sofern die Wildart nicht den CITES - Bestimmungen unterliegt) noch verkaufen.

Ein guter Rat zuletzt: ganz gleich, ob Sie beim Präparator in Südafrika nur roh behandeln lassen oder fertige Trophäen bestellen - lassen Sie sich immer folgendes quittieren: Art und Anzahl der Trophäen, Details (Präparat schaut nach links oder nach rechts, usw.), Gesamtkosten, geleistete Anzahlung, Restzahlungen (Betrag und Termin), geschätzter Zeitpunkt der Fertigstellung ihrer Trophäen, Kosten für Dokumentation und Anfertigen der Versandkiste . Bei mehreren Jägern ist dringend zu klären: Wessen Trophäen sollen in welche Kiste. Für einen guten Präparationsbetrieb ist das alles selbstverständlich.

(Entnommen aus: JAGD GUIDE 2008, Hrsgb. Josef Ruhaltinger, KGV-Verlag; ISBN: 978–3–902645–00-5)

 

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