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Serie Qualitätsmanagement: Acht Module für die Praxis

Ein Qualitätsmanagementsystem der ÖÄK-Tochter ÖQMed hilft heimischen Ordinationen, sich immer weiter zu verbessern – kostenlos und völlig freiwillig. Teil 1 der 9-teiligen Serie.

Spätestens seit der verpflichtenden Einführung der Selbstevaluierung 2008 muss sich jeder Ordinationsinhaber mit dem Thema Qualitätssicherung auseinandersetzen – nicht immer zur Freude der betroffenen Ärzte. Die einstige Ablehnung weicht aber zusehends der einsichtigen Akzeptanz, denn optimiertes, nachvollziehbares Arbeiten sorgt für Stabilität und professionelle Organisation in der Ordination.

Und eventuelle Fehler werden zum Ausgangspunkt neuen Fortschritts. „Gelebtes Qualitätsmanagement verbessert die Lebensqualität des Mediziners und sichert den Erfolg der Ordination“, ortet Reinhold Glehr gleichermaßen Vorteile für Patienten und Arzt. Der Allgemeinmediziner aus Hartberg gilt seit Jahren als heimischer Vorreiter in Fragen des Qualitätsmanagements in Arztpraxen.

 

Kostenlos und freiwillig

Das Thema Qualitätsmanagement soll in den österreichischen Praxen weiter vorangebracht werden. Treiber dabei ist die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung & Qualitätsmanagement in der Medizin, kurz ÖQMed, die 2004 von der Österreichischen Ärztekammer gegründet wurde.

ÖQMed entwickelte ein spezielles Qualitätsmanagementsystem für Praxen, das „kostenlos und auf Basis völliger Freiwilligkeit“ den heimischen Ärzten zur Verfügung gestellt wird, wie Paul Baumer nicht müde wird zu unterstreichen. Der Leiter des Bereichs „QM in Arztpraxen“ ist einer der Entwickler des Systems, das online jedem Kammermitglied zur Verfügung steht: „Wir unterstützen die Ärztinnen und Ärzte dabei, ihr Unternehmen langfristig und nachhaltig zu positionieren. Dabei sprechen wir alle Bereiche der Praxis an – auch die Mitarbeiter, deren Einbindung elementar für die Umsetzung eines QM-Systems ist.“

 

So funktioniert’s

Das ÖQMKonzept ist zur Gänze online verfügbar. Interessierte Mediziner laden sich kostenfrei die Unterlagen auf ihren Rechner und arbeiten die Dokumente in Eigenregie durch. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Checklisten, die Zielvorstellungen und Ist-Situation abfragen. Der Ordinationsinhaber stellt dabei in einer „gestützten Selbstanalyse“ fest, wo der Schuh zwickt.

Die wenigsten Praxischefs werden dabei Überraschungen erleben, da sie die Schwächen ihrer Ordinationen in der Mehrheit kennen und eliminieren wollen – „deswegen wollen die Mediziner das QM-System ja einführen“, setzt Paul Baumer auf den Verbesserungswillen. Die Fragen werden so beantwortet, dass daraus Maßnahmen zur Erreichung der vorgegebenen Ziele abgeleitet werden können. Wer sich in dem Prozess selbst beschummelt, verschwendet seine eigene Zeit.

Im Zuge der Umsetzung der Maßnahmen, der Implementierung, bietet das System die Möglichkeit, unterstützende Dokumente aus dem Download- Bereich von www.oeqm.at zu beziehen. In jedem Fall trägt der Arzt dafür Sorge, dass Mitarbeiter auf die Umsetzung der Maßnahmen und Verwendung von Formularen geschult werden. Wer sich noch intensiver mit der Materie befassen will, nutzt die Literaturlisten der ÖQMed oder setzt sich in einen der Expertenvorträge, die auf Anfrage meist auf Bezirksebene veranstaltet werden.

 

Module nach Wunsch

Das neue QM-System für Praxen ist auf acht Module aufgeteilt, die den Ordinationsalltag in seiner Gesamtheit abdecken. Das Schöne daran: ÖQM erlaubt Rosinenpicken. Der Ordinationsinhaber wählt aus dem Angebot jene Inhalte aus, die er für seine Praxis für relevant hält. Medizinerin nen und Mediziner können eines, mehrere oder alle Module in ihre Praxis integrieren, ohne die Sinnhaftigkeit des Unterfangens in Frage zu stellen.

 

Interne Evaluierung

Kern eines Qualitätsmanagementsystems ist die ständige Verbesserung. Sämtliche getroffenen Maßnahmen müssen daher in regelmäßigen Abständen evaluiert und auf ihre Anwendbarkeit und Praxistauglichkeit hin überprüft werden. Dabei werden Ordination wie QM-System von Chef und Mitarbeiter ständig überprüft.

Wenn etwas besser gemacht werden kann, wird nachjustiert – in Ordination, aber auch beim QM-System. Nicht immer passen die vorgesehenen Fragen und Positionen für jede Praxis.

 

Freiwilliges Audit möglich

Sobald sich die Praxis „fit“ für eine externe Überprüfung der getroffenen Maßnahmen fühlt, kann – freiwillig – bei der ÖQMed eine Visitation beantragt werden. Nach Übersendung der ausgefüllten Gesamtkataloge in elektronischer Form wird ein Termin mit einem Auditor vereinbart.

Wurde die erfolgreiche Implementierung des Systems bestätigt, erhält die Ärztin/der Arzt ein Zertifikat als Nachweis der vorbildlichen Praxisführung. Dabei fallen erstmals unmittelbare Ausgaben an: Die Gesamtkosten betragen 960 Euro plus Fahrtspesen des Auditors.

 

Josef Ruhaltinger

© MMA, ärztemagazin 19/2011

 

 

FAKTENKASTEN

 

Die ÖQM-Module im Überblick

Steuerung und Führung: Betriebswirtschaftliche und strategische Themen rund um die Ordination.

Medizinische Qualität: Alltägliche ärztliche Handlungen werden so weit wie möglich standardisiert.

Patientenorientierung: Themen wie effizientes Terminmanagement, barrierefreier Zugang und Schulungsmaßnahmen für Patienten.

Information und Kommunikation: Außenauftritt der Ordination – von Internet bis zur Beschilderung.

Sicherheit: Einbruchs- und Datensicherheit, Hygiene sowie der Umgang mit Notfällen und Medikamenten werden geprüft.

Organisatorisches: Umgang mit Abfall der Ordination, Lagerhaltung und Beschaffung oder die Wartung der vorhandenen Geräte.

Personalmanagement und Mitarbeiterorientierung: Von der Personalsuche bis zur Kündigung oder Pensionierung.

Innovation, Verbesserung und Prävention: Durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP) erkannte Risiken vermeiden.

 

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content by Josef Ruhaltinger