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Herbert Demel: Hinter den Kulissen der Autokonzerne

Herbert Demel war Audi- und Fiat-Chef, sollte Opel für Magna leiten und zählte zu den Anwärtern für die Nachfolge von Ferdinand Piëch. Im Gespräch mit mir erzählte er über seine Erfahrungen mit Sergio Marchionne, Kulturveränderungen bei VW und warum der Standort Magna Steyr Graz auf Dauer zu klein sein wird.

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Demel, Sie waren einst bei Audi Leiter der Motoren- und Antriebsent­wicklung, später Technik­vorstand. Sie haben den TDI mitentwickelt und den Direkteinspritzer im damals neuen A4 einge­führt. Hat Sie die Existenz einer VW-Spezialsoftware zur Emissions­messung überrascht?


HERBERT DEMEL: Ich bin von den Geschehnissen und den handelnden Personen zu weit weg, um dazu einen kompetenten Kommentar abzugeben. Es gibt viele sub-stanzlose Geschichten. Da brauchen wir nicht noch eine weitere produzieren.

Sie kennen die handelnden Personen. Sie können doch beurteilen: Ist die Ver­wendung einer derartigen Verschleie­rungs-Software nach Ihrer Einschätzung eine falsche Interpretation bestehender Regeln oder bestand von vornherein Betrugsabsicht?

DEMEL: Ich weiß zu wenig. Derartige Diskussionen über Konzernmethoden gibt es nicht zum ersten Mal. Es gab Siemens, es gab Daimler, es gab Thyssen-Krupp, die mit eigenen Praktiken konfrontiert wurden, die bis vor 20 Jahren noch von der Steuer abgesetzt werden konnten. Moralische Bilder verändern sich. Ob es da von Anfang an kriminelle Energien gab oder die handelnden Personen glaub­ten, noch im Rahmen bestehender Regeln zu agieren - ich weiß es nicht. Wer zu wenig weiß, hält besser die Schnauze.

VW muss mit Strafen in Milliarden­höhe und mit Absatzeinbußen rechnen. Sehen Sie den VW-Konzern in seiner Exis­tenz bedroht?

DEMEL: Nein, sicher nicht. Es scheint zu den Aufgaben des Mediengeschäftes zu gehören, Konsequenzen ausschließlich in „worst case Szenarien" zu malen. Die spätere Realität ist dann meistens nicht so schrecklich. Ich bin aber sicher, dass die Auswirkungen nicht so weitreichend sind, wie dies derzeit befürchtet wird. Es wird ja sehr viel von Kulturveränderung geredet. Was im Fall von VW sicher nicht schlecht wäre.

Wurde VW zu autoritär geführt?


DEMEL: Das demokratisch geführte Unternehmen würde nicht funktionie­ren. Und ich glaube, Kulturänderungen dauern immer lang. Die Entscheidung für oder gegen einen CEO ist auch eine Entscheidung für einen Führungsstil.

Ist Matthias Müller eine andere Füh­rungsfigur als sein Vorgänger Martin Winterkorn?

DEMEL: Ja sicher. Aber muss er ein Anti­Winterkorn sein? Das glaube ich nicht. Er muss ins Unternehmen passen. Und er muss das Vertrauen von Eigentümern und Aufsichtsgremien erhalten, die Krise zu meistern.

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content by Josef Ruhaltinger